Transformation im Ladenbau
Die Situation verstehen: Begriffe zur Lage der Innenstädte
Innenstädte verlieren an Zugkraft.
Für alle Beteiligten in Stadtplanung und Ladenbau heißt das: Wir bauen eine Antwort auf die Frage „Warum sollte jemand überhaupt hierher kommen?“
Dieses Glossar ordnet die zentralen Begriffe rund um diese Transformation - von der Stadtplanung bis runter auf die Ebene von Licht und Warenpräsentation am Point of Sale (POS).
Donut-Effekt
Beschreibt die Verschiebung von Kaufkraft und Aufenthalt aus der Innenstadt-Mitte hinaus in Vororte und Wohngebiete, verstärkt durch Homeoffice. Für den Ladenbau heißt das: Standortentscheidungen dürfen sich nicht blind auf die klassische Fußgängerzone verlassen, sondern müssen Frequenzdaten des jeweiligen Viertels prüfen.
StatistaShowrooming und Webrooming
Beschreiben zwei gegenläufige Kundenverhalten: Beim Showrooming lässt sich der Kunde im Laden beraten und kauft dann günstiger online; beim Webrooming (auch ROPO - „research online, purchase offline“) informiert er sich online und kauft stationär. Praktisch bedeutet das für den Store: Wer nur Beratung ohne echtes Erlebnis bietet, wird zur kostenlosen Umkleidekabine für den Onlinehandel - der Store muss also Gründe liefern, die online nicht kopierbar sind (Haptik, Licht, Atmosphäre, sofortige Verfügbarkeit).
Artikel auf Ladenbau.deLadensterben
Beschreibt den strukturellen Ruecktzug des stationaeren Handels, erkennbar an Mieterwechsel, Leerstand und Umnutzung von Ladenflaechen. Ursachen sind vielschichtig: veraltete Geschaeftsmodelle, Online-Handel, gestiegene Mieten und Energiekosten, Parkraum-Restriktionen und fehlende Nachfolger. Fuer den Ladenbauer ist das kein abstraktes Thema, sondern der Grund, warum jedes neue Konzept eine klare Existenzberechtigung gegenueber dem Bildschirm zu Hause haben muss.
Wikipedia-ArtikelLeerstandsquote
Ist die Kennziffer, an der Kommunen und Handelsverbaende die Gesundheit einer Innenstadt messen - aktuell im Schnitt 14 bis 15 Prozent der Ladenflaechen in deutschen Zentren, mit deutlichen Unterschieden zwischen A- und C-Lagen. Praktisch bedeutet eine hohe Quote in der eigenen Zielstadt: Investoren werden vorsichtiger, aber auch guenstigere Flaechen und Verhandlungsspielraum bei Mietkonditionen sind moeglich.
IHK-StudieStadtplanung trifft Retail: Die neuen Leitideen
15-Minuten-Stadt
Ist das von Carlos Moreno geprägte Planungskonzept, wonach alle Alltagsbedürfnisse - Arbeit, Einkauf, Ärzte, Freizeit - innerhalb von 15 Minuten zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar sein sollen. Für den Handel heißt das: Nicht mehr die große City-Lage mit maximaler Reichweite zählt, sondern das gut erreichbare Quartiersgeschäft, das Teil der täglichen Wege ist - wer diese Logik ignoriert, plant an der Zukunft der Standortwahl vorbei.
Beschreibung von Handelsblatt.comStadt der kurzen Wege
Ist der deutsche Vorläuferbegriff derselben Idee: Wohnen, Arbeiten und Einkaufen liegen nah beieinander, statt in getrennten Funktionszonen. Ladenbauer sollten diesen Begriff kennen, weil er in kommunalen Entwicklungskonzepten (ISEK) häufiger auftaucht als der englische Import.
Beschreibung auf Handelsblatt.comMixed Use / Nutzungsmischung
Bezeichnet Gebäude oder Quartiere, die Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Freizeit kombinieren, statt reine Shopping-Flächen zu bauen. Praktisch heißt das für Ladenbauprojekte: Der Store steht immer öfter unter Wohnungen oder neben einem Co-Working-Space, was andere Öffnungszeiten, andere Frequenzmuster und andere Lichtstimmungen (z. B. auch abends) verlangt.
Beschreibung abes-online.comCommunity Retail / Nahversorgung
Meint Handel, der primär die tägliche Versorgung eines Quartiers sichert - Bäcker, Drogerie, kleiner Supermarkt - statt auf Fernkundschaft zu zielen. Für ältere Bewohner ist dieses Angebot oft die Voraussetzung, überhaupt selbstständig im eigenen Viertel bleiben zu können, was auch die Zielgruppenansprache im Storedesign verändert (barrierearm, übersichtlich, vertraut).
Text auf quartier2030-bw.deZwischennutzung / Pop-Up Store
Bezeichnet die befristete Nutzung leerstehender Ladenflächen, etwa durch Konzeptstores, Kunst- oder Kulturprojekte, bis eine feste Nachnutzung gefunden ist. Für Ladenbauer ist das ein wachsendes Geschäftsfeld: modulare, schnell montierbare und wieder demontierbare Ladenbausysteme sind hier gefragter als aufwendige Festeinbauten.
Projektbericht kommunal.deFrequenzbringer / Ankermieter
Sind große, publikumsstarke Nutzer (Warenhaus, Markthalle, Fitnessstudio, ÖPNV-Knoten), die Besucherströme in ein Quartier ziehen und damit auch kleinere Nachbargeschäfte mitversorgen. Fällt ein solcher Anker weg - etwa durch die Schließung eines Warenhauses - reißt das oft eine Lücke, die ganze Straßenzüge in ihrer Frequenz einbrechen lässt.
Studie hierzu vom Fraunhofer InstitutDie Antwort des Handels: Erlebnis, Community, Technologie
Erlebnishandel
Bezeichnet Handelskonzepte, die das Einkaufen emotional aufladen - über Duft, Musik, Raumgestaltung, Warenpräsentation und Licht, statt reine Produktverfügbarkeit zu bieten. Damit reagiert der stationäre Handel gezielt auf seinen einzigen echten Wettbewerbsvorteil gegenüber dem Onlineshop: den sinnlichen, unmittelbaren Moment im Raum.
Retailtainment
Ist die Kombination aus Retail und Entertainment: Der Store wird zur Bühne, der Kunde zum Akteur eines Erlebnisses statt zum reinen Käufer. In der Praxis bedeutet das oft Interaktion, Workshops, digitale Spielereien oder Eventflächen im Store, die Verweildauer und Bindung erhöhen sollen.
Artikel auf intotheminds.comThird Place / Dritter Ort
Nach dem Soziologen Ray Oldenburg bezeichnet der Begriff Orte neben Zuhause (First Place) und Arbeit (Second Place), an denen Menschen sich ohne Konsumzwang begegnen und wohlfühlen. Immer mehr Stores wollen genau das sein: ein Treffpunkt mit Café-Ecke, Aufenthaltsqualität und „low profile“-Design statt reinem Verkaufsdruck - Kultur, Gastronomie und soziale Funktion werden dabei zum festen Bestandteil der Planung.
WikipediaPhygital Retail
Verschmilzt physisches und digitales Einkaufen zu einem nahtlosen Erlebnis - etwa über mobile Kassensysteme, digitale Umkleiden, Self-Checkout oder virtuelle Showrooms im Store. Für den Ladenbauer heißt das: Stromversorgung, Datenanbindung und Displayflächen müssen von Anfang an mitgedacht werden, nicht nachträglich verkabelt.
Artikel auf thestorefront.comSocial Retailing / Social Commerce
Meint den Verkauf direkt über Social-Media-Plattformen wie Instagram oder TikTok, oft verbunden mit Influencer-Kooperationen und nativer Checkout-Funktion. Relevant für den stationären Handel wird der Begriff dort, wo Instore-Erlebnisse gezielt „social-media-tauglich“ gestaltet werden - ein gut ausgeleuchtetes Produktregal ist heute auch Content für die Kundschaft.
Artikel auf shopify.comVisual Merchandising
Ist die Kunst, Waren im Raum so zu inszenieren, dass sie Aufmerksamkeit, Kaufimpulse und ein stimmiges Markenerlebnis erzeugen - über Anordnung, Farbe, Displays und gezielte Beleuchtung. Es ist das Bindeglied zwischen Ladenbau-Architektur und Verkaufszahlen: Selbst das beste Regalsystem verkauft nicht, wenn die Ware falsch platziert oder schlecht beleuchtet ist.
Artikel auf storefitting.comLicht im Erlebnisraum Innenstadt
Immersives Licht
Bezeichnet Beleuchtungskonzepte, die den Kunden nicht nur informieren, sondern emotional in eine Szene hineinziehen - Licht wird zum atmosphärischen Erlebnisträger, nicht nur zum Helligkeitslieferanten. Es ist die konsequente Fortsetzung des Erlebnishandels auf technischer Ebene: Lichtfarbe, Kontraste und Lichtdramaturgie erzeugen genau jene emotionale Anreicherung, die den stationären Store vom bloßen Abholpunkt unterscheidet. Für Ladenbauer ist das der Punkt, an dem sich Konzepte wirklich differenzieren: Ein Store mit durchdachter, immersiver Lichtinszenierung erzählt eine Geschichte, ein rein zweckmäßig ausgeleuchteter Verkaufsraum tut es nicht.
Wer tief eintauchen will, findet hier mehrere wissenschaftliche Studien zur Wirkung von Licht auf Kundschaft:
Custers et al. (2010), Lighting Research & Technology
Lighting in retail environments: Atmosphere perception in the real world - PJM Custers, YAW de Kort, WA IJsselsteijn, ME de Kruiff, 2010
Park & Farr (2007), Psychology & Marketing
The Effects of Lighting on Consumers' Emotions and Behavioral Intentions in a Retail Environment: A Cross‐Cultural Comparison - Park - 2007 - Journal of Interior Design - Wiley Online Library
Berčík et al. (2016), Appetite / PubMed
The impact of parameters of store illumination on food shopper response - PubMed
Lichtdramaturgie
Ist die gezielte Choreografie von Licht im Raum - welche Zone hell, welche gedimmt ist, wo Kontraste den Blick führen. Ein Helligkeitsverhältnis von 3:1 bis 5:1 zwischen Akzent- und Grundlicht gilt als Richtwert, um Produkte hervorzuheben, ohne den Raum unruhig wirken zu lassen. Molto Luce beschreibt Lichtdramaturgie explizit als Werkzeug, das die Verweildauer erhöht und zum Kauf animiert - für den Ladenbauer ist das kein Dekorationsdetail, sondern ein Umsatzhebel.
Artikel auf kramer-gmbh.comHohe Lichtqualität
Wir haben diesem Thema einen ganzen Newsletter mit Experteninterview, eigenem Glossar und einer Checkliste für Ladenbauer gewidmet!
Zum Lightfaden über Hohe Lichtqualität auf LinkedInIhr Erstkontakt, ob vor Ort oder bei DWD, legt die Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.
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Perfekte Beleuchtung, Maximaler Verkaufserfolg.
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STEIGERNDE BELEUCHTUNG AM UND IM REGAL
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